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Tariflohn und Mindestlohn im Sicherheitsdienst 2026

Ratgeber · Stand: 17. September 2026

Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 13,90 € je Stunde, als Untergrenze auch im Sicherheitsdienst. Darüber liegt, wo vorhanden, ein regionaler Lohntarifvertrag: Das Bewachungsgewerbe hat keinen eigenen bundesweiten Branchenmindestlohn, sondern je Bundesland ausgehandelte Sätze, die sich teils erheblich unterscheiden.

Gesetzlicher Mindestlohn 2026

Seit dem 1. Januar 2026 gilt ein gesetzlicher Mindestlohn von 13,90 € je Zeitstunde. Grundlage ist die Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, die den Beschluss der Mindestlohnkommission vom 27. Juni 2025 umsetzt. Zum 1. Januar 2027 steigt der Mindestlohn in einem zweiten Schritt weiter auf 14,60 €.

Der gesetzliche Mindestlohn gilt für praktisch jedes Arbeitsverhältnis in Deutschland, unabhängig von der Branche. Er ist damit die absolute Untergrenze auch im Sicherheitsdienst, wenn kein höherer Tariflohn greift.

Kein bundesweiter Branchenmindestlohn im Bewachungsgewerbe

Für einzelne Branchen legt das Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG) eigene, höhere Branchenmindestlöhne fest, etwa für die Gebäudereinigung oder die Pflegebranche. Im Verzeichnis der Branchenmindestlöhne des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales taucht das allgemeine Bewachungsgewerbe jedoch nicht auf. Einen eigenen Branchenmindestlohn gibt es dort nur für Sicherheitskräfte an Verkehrsflughäfen, geregelt über eine eigene Verordnung nach dem Luftsicherheitsgesetz.

Für den ganz überwiegenden Teil der Branche, Objektschutz, Empfangsdienst und vergleichbare Tätigkeiten, bleibt es damit bei zwei Ebenen: dem gesetzlichen Mindestlohn als Untergrenze und, wo vorhanden, einem regionalen Lohntarifvertrag darüber.

Regionale Lohntarifverträge und Allgemeinverbindlichkeit

Löhne im Bewachungsgewerbe werden in Deutschland nicht bundesweit, sondern je Bundesland zwischen dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW), Landesgruppe, und der Gewerkschaft ver.di ausgehandelt. Das Ergebnis ist ein Lohntarifvertrag mit eigener Laufzeit, eigenen Lohngruppen und eigenen Stufenerhöhungen je Bundesland.

Ohne weiteren Schritt bindet ein solcher Tarifvertrag zunächst nur Mitgliedsbetriebe des BDSW und tarifgebundene Arbeitnehmer. Wird er von der zuständigen Behörde für allgemeinverbindlich erklärt, gilt er für alle Betriebe der Branche im jeweiligen Bundesland, unabhängig von der Verbandsmitgliedschaft. Ob und für welchen Zeitraum eine Allgemeinverbindlicherklärung vorliegt, lässt sich über das AVE-Verzeichnis des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales prüfen.

Niedrigste Lohngruppe je Bundesland: im Original geprüft

Die folgende Tabelle zeigt die niedrigste reguläre Lohngruppe für Objektschutz- beziehungsweise Separatwachdienst in den Bundesländern, deren aktuellen Lohntarifvertrag wir im Original gelesen haben, nicht aus einer zusammenfassenden Übersicht Dritter.

Ortsklasse 1 gilt für alle Orte außer München-Stadt und Umland; dort (Ortsklasse S) 15,44 € statt 14,92 €. Stand dieser Seite: 17.09.2026.

Niedrigste Lohngruppe je Bundesland: im Original geprüft
BundeslandNiedrigste LohngruppeStundenlohnLaufzeit des Tarifvertrags
Nordrhein-WestfalenObjektschutz I14,60 € (ab 01.04.2025), 15,11 € (ab 01.02.2026)01.04.2025–31.12.2026
Baden-WürttembergObjektschutz-/Separatwachdienst15,14 € (ab 01.01.2026), 15,70 € (ab 01.01.2027)01.01.2026–31.12.2027
Bayern (Ortsklasse 1)Separatwachdienst14,92 € (ab 01.01.2026)01.01.2025–31.12.2026

Was diese Tabelle nicht zeigt

Für die übrigen Bundesländer veröffentlicht der BDSW eine zusammenfassende Entgeltübersicht, wir haben deren Zahlen in dieser Recherche aber nicht gegen den jeweiligen Original-Tarifvertrag geprüft und listen sie deshalb hier nicht. Ein Abgleich zeigt zudem, dass eine solche Übersicht veralten kann: Für Bayern nannte sie zum Stand 1. Januar 2026 noch 14,43 €, während der Original-Tarifvertrag zu diesem Datum bereits 14,92 € vorsah.

Innerhalb eines Bundeslandes ist die hier gezeigte Lohngruppe zudem die niedrigste, nicht die einzige. Werkschutz mit Zusatzqualifikation, Revier- und Streifendienst, Notrufzentralen oder eine Sachkundeprüfung nach § 34a GewO liegen in jedem der geprüften Tarifverträge deutlich darüber.

Warum sich Tariflöhne regelmäßig ändern

Lohntarifverträge im Bewachungsgewerbe laufen meist zwei Jahre und enthalten häufig schon bei Abschluss eine zweite Stufenerhöhung für das Folgejahr, wie die Tabelle oben für alle drei Bundesländer zeigt. Nach Ablauf der Laufzeit verhandeln BDSW-Landesgruppe und ver.di neu; bis zu einem Ergebnis gilt der bisherige Vertrag in der Regel weiter.

Für Ihre Kalkulation heißt das: Ein einmal recherchierter Betrag hat ein Verfallsdatum. Prüfen Sie vor einer größeren Kalkulation, ob die Laufzeit des zugrunde gelegten Tarifvertrags noch läuft.

Folgen für Ihre Kalkulation

Der Tariflohn, beziehungsweise wo kein Tarifvertrag gilt der gesetzliche Mindestlohn, ist die Ausgangsbasis jeder Preiskalkulation, nicht das Ergebnis. Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Ausfallzeiten durch Urlaub und Krankheit, Zuschläge sowie Gemeinkosten kommen hinzu, bevor daraus ein Verrechnungssatz für den Kunden wird. Den vollständigen Rechenweg mit einem durchgerechneten Beispiel zeigt der Artikel Stundensatz im Sicherheitsdienst kalkulieren.

Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge folgen dabei eigenen Regeln, tariflich und steuerlich getrennt von der Grundvergütung. Der Artikel Zuschläge im Sicherheitsdienst ordnet den Unterschied.

Tariflohn in Zeiterfassung und Lohnexport

Ändert sich ein Tariflohn mitten im Abrechnungszeitraum, muss die neue Stufe zum richtigen Datum greifen, ohne die Vormonate zu verändern. In der Zeiterfassung von WachFlow laufen Zuschläge nach § 3b EStG automatisch mit den erfassten Stunden mit, und der Lohnexport übergibt fertige Werte an Lohnbuchhaltung und DATEV, ohne dass Stufenerhöhungen von Hand nachgepflegt werden müssen.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der gesetzliche Mindestlohn 2026?
13,90 € je Stunde seit dem 1. Januar 2026, ab dem 1. Januar 2027 steigt er auf 14,60 €. Grundlage ist die Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung nach dem Beschluss der Mindestlohnkommission vom 27. Juni 2025.
Gibt es einen eigenen Mindestlohn für die Sicherheitsbranche?
Für das allgemeine Bewachungsgewerbe nicht. Im Verzeichnis der Branchenmindestlöhne des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales taucht nur eine eigene Regelung für Sicherheitskräfte an Verkehrsflughäfen auf.
Was bedeutet „allgemeinverbindlich" bei einem Tarifvertrag?
Eine Allgemeinverbindlicherklärung weitet einen Tarifvertrag auf alle Betriebe der Branche im betroffenen Bundesland aus, auch auf Betriebe ohne Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband.
Muss ich den Tariflohn zahlen, wenn mein Betrieb nicht im BDSW ist?
Ohne Allgemeinverbindlicherklärung bindet ein Lohntarifvertrag zunächst nur Verbandsmitglieder. Mit einer Allgemeinverbindlicherklärung gilt er für die ganze Branche im Bundesland. Prüfen Sie den Status im Einzelfall über das AVE-Verzeichnis oder Ihre zuständige Kammer.
Warum unterscheiden sich die Löhne zwischen den Bundesländern so stark?
Weil BDSW-Landesgruppe und ver.di die Lohntarifverträge einzeln je Bundesland verhandeln, mit eigener Laufzeit und eigenen Lohngruppen. Einen bundesweit einheitlichen Tarif gibt es für das allgemeine Bewachungsgewerbe nicht.
Wie oft ändert sich der Tariflohn im Sicherheitsdienst?
Die geprüften Verträge laufen meist zwei Jahre und enthalten häufig schon eine zweite Stufenerhöhung für das zweite Jahr. Nach Vertragsende wird neu verhandelt, bis dahin gilt der bisherige Vertrag in der Regel weiter.

Quellen

Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung.

Stand: 17. September 2026