Arbeitszeitgesetz im Sicherheitsdienst
Ratgeber · Stand: 17. September 2026
Das Arbeitszeitgesetz erlaubt im Sicherheitsdienst grundsätzlich acht, ausnahmsweise zehn Stunden Arbeit am Tag, dazu elf Stunden ununterbrochene Ruhezeit danach. Ein durchgehender 12-Stunden-Dienst ist damit im Gesetz selbst nicht der Normalfall, sondern nur über einen Tarifvertrag mit Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst zulässig, ein Thema, das bereits beim Dienstplan erstellen mitgedacht werden sollte.
Werktägliche Höchstarbeitszeit und Ausgleich (§ 3 ArbZG)
Die werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten (§ 3 Satz 1 ArbZG). Sie kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden (§ 3 Satz 2 ArbZG).
Im Sicherheitsdienst mit seinen häufigen 8- und 12-Stunden-Diensten ist dieser Ausgleichszeitraum der entscheidende Hebel: Wer an einem Tag zehn Stunden arbeitet, muss das im Schnitt der folgenden Monate wieder auf acht Stunden ausgleichen, nicht an einem einzelnen Tag.
Pausen (§ 4 ArbZG)
Ab mehr als sechs Stunden Arbeitszeit sind mindestens 30 Minuten Pause Pflicht, ab mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten (§ 4 Satz 1 ArbZG). Die Pause darf in Abschnitte von je mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden (§ 4 Satz 2 ArbZG); länger als sechs Stunden am Stück ohne jede Pause ist nicht zulässig (§ 4 Satz 3 ArbZG).
Ruhezeit: elf Stunden zwischen zwei Diensten (§ 5 ArbZG)
Nach Ende der täglichen Arbeitszeit steht jedem Mitarbeiter eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden zu (§ 5 Abs. 1 ArbZG). Für einzelne Branchen wie Krankenhäuser, Gaststätten oder Verkehrsbetriebe erlaubt § 5 Abs. 2 ArbZG eine Kürzung um bis zu eine Stunde bei Ausgleich innerhalb eines Monats; das Bewachungsgewerbe zählt nicht zu diesen Branchen.
Genau hier entstehen im Sicherheitsdienst die meisten Konflikte: Wechselt ein Mitarbeiter von einer Spät- in eine Frühschicht oder springt er kurzfristig für eine ausgefallene Nachtschicht ein, reißt die Ruhezeit schnell unter elf Stunden.
Nachtarbeit (§ 6 ArbZG)
Für Nachtarbeitnehmer gilt dieselbe werktägliche Grenze von acht, ausnahmsweise zehn Stunden, allerdings mit einem kürzeren Ausgleichszeitraum von einem Kalendermonat oder vier Wochen statt sechs Monaten (§ 6 Abs. 2 ArbZG).
Nachtarbeitnehmer haben zudem Anspruch auf eine arbeitsmedizinische Untersuchung vor Beginn der Tätigkeit und danach in der Regel alle drei Jahre, ab dem 50. Lebensjahr jährlich, auf Kosten des Arbeitgebers (§ 6 Abs. 3 ArbZG). Ohne tarifliche Regelung muss der Arbeitgeber außerdem eine angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder einen angemessenen Zuschlag für die Nachtarbeit gewähren (§ 6 Abs. 5 ArbZG).
12-Stunden-Dienste: wann sie zulässig sind
Ein durchgehender 12-Stunden-Dienst ist im ArbZG selbst nicht als Regelfall vorgesehen. Eine Verlängerung über zehn Stunden hinaus ist nach § 7 Abs. 1 ArbZG nur über einen Tarifvertrag oder eine tarifvertraglich zugelassene Betriebs- oder Dienstvereinbarung möglich, und nur, wenn regelmäßig und in erheblichem Umfang Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst in die Arbeitszeit fällt. Auch dann bleibt die wöchentliche Obergrenze bestehen: Im Durchschnitt von zwölf Kalendermonaten dürfen 48 Stunden pro Woche nicht überschritten werden (§ 7 Abs. 8 ArbZG).
Der bundesweite Manteltarifvertrag für Sicherheitsdienstleistungen zwischen dem BDSW und der Gewerkschaft ÖD macht von dieser Öffnung Gebrauch: Er lässt eine Verlängerung ohne Ausgleich über zehn Stunden hinaus zu, wenn Arbeitsbereitschaft regelmäßig und erheblich anfällt, erlaubt eine 24-Stunden-Schicht in seiner Fassung vom 23. August 2018 aber ausdrücklich nur im Werkfeuerwehrdienst und beim Objektschutz militärischer Anlagen, nicht generell für jeden Objektschutz. Ob und in welcher Fassung ein Tarifvertrag für einen konkreten Betrieb gilt, ist im Einzelfall zu prüfen, etwa über eine Allgemeinverbindlicherklärung oder die Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband.
Bereitschaftsdienst, Rufbereitschaft und Doppelschicht
Drei Begriffe werden im Sicherheitsdienst oft durcheinandergebracht, zählen arbeitszeitrechtlich aber unterschiedlich. Arbeitsbereitschaft ist die Zeit wacher, aber entspannter Wachsamkeit am Arbeitsplatz, etwa im Pförtnerhäuschen zwischen zwei Kontrollgängen; sie ist Vollarbeit und zählt in voller Länge als Arbeitszeit, genau dieser Begriff öffnet auch die tarifliche Verlängerung über zehn Stunden nach § 7 ArbZG. Bereitschaftsdienst bedeutet, sich an einem vom Arbeitgeber bestimmten Ort aufzuhalten, um auf Abruf unverzüglich tätig zu werden; nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs zählt auch er vollständig als Arbeitszeit, wenn der Arbeitgeber die Anwesenheit an diesem Ort vorschreibt (EuGH, Urteil vom 03.10.2000, C-303/98, „Simap“).
Rufbereitschaft unterscheidet sich davon dadurch, dass der Ort frei wählbar bleibt: Grundsätzlich zählt hier nur die tatsächliche Heranziehung zur Arbeit als Arbeitszeit, die Wartezeit dazwischen gilt als Ruhezeit. Das gilt allerdings nicht ausnahmslos: Nach dem EuGH-Urteil vom 21.02.2018 (C-518/15, „Matzak“) kann selbst reine Rufbereitschaft insgesamt als Arbeitszeit zu werten sein, wenn die dem Arbeitnehmer auferlegten Einschränkungen seine Möglichkeit, sich privaten Interessen zu widmen, objektiv ganz erheblich einschränken, etwa eine extrem kurze Meldefrist zum Objekt. Ob ein konkretes Modell im Sicherheitsdienst als Bereitschaftsdienst oder als Rufbereitschaft einzuordnen ist, hängt am Ort und Umfang der auferlegten Einschränkung, nicht an der im Dienstplan verwendeten Bezeichnung.
Eine kurzfristige Doppelschicht bei einem Ausfall bleibt trotzdem an dieselben Grenzen gebunden wie jeder andere Dienst: die Höchstarbeitszeit aus § 3 ArbZG und die elf Stunden Ruhezeit aus § 5 ArbZG danach. § 14 ArbZG erlaubt für vorübergehende Notfälle und außergewöhnliche Fälle zwar eine Abweichung von diesen Vorschriften, etwa wenn sonst Arbeitsergebnisse zu misslingen drohen, begrenzt das aber ausdrücklich auf 48 Stunden wöchentlich im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen (§ 14 Absatz 3 ArbZG). Eine spontane Doppelschicht ist damit im Einzelfall über § 14 ArbZG denkbar, ersetzt aber weder die tarifliche Öffnung nach § 7 ArbZG noch macht sie daraus einen Dauerzustand.
Für Serien von 12-Stunden-Diensten bleibt die elf Stunden Ruhezeit nach jedem einzelnen Dienst zwingend, unabhängig davon, wie viele 12-Stunden-Dienste in Folge tariflich zulässig sind. Und die 48-Stunden-Woche im Sechsmonatsdurchschnitt begrenzt, wie viele davon sich überhaupt aneinanderreihen lassen: Vier Dienste zu je 12 Stunden ergeben bereits 48 Stunden in einer Woche, mehr muss in anderen Wochen des Ausgleichszeitraums entsprechend unterschritten werden.
Sonn- und Feiertagsarbeit (§§ 9 bis 11 ArbZG)
Grundsätzlich dürfen Arbeitnehmer an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0 bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden (§ 9 Abs. 1 ArbZG). § 10 Abs. 1 Nr. 13 ArbZG nimmt das Bewachungsgewerbe und die Bewachung von Betriebsanlagen ausdrücklich von diesem Verbot aus, Sicherheitsdienste dürfen also auch sonn- und feiertags eingesetzt werden.
Wer an einem Sonntag arbeitet, hat Anspruch auf einen Ersatzruhetag innerhalb von zwei Wochen, bei Feiertagsarbeit auf einem Werktag innerhalb von acht Wochen (§ 11 Abs. 3 ArbZG); mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen für jeden Mitarbeiter beschäftigungsfrei bleiben (§ 11 Abs. 1 ArbZG). Auch von dieser Ausgleichspflicht können Tarifverträge abweichen: Der BDSW-Manteltarifvertrag sieht vor, dass für Feiertagsarbeit an einem Werktag kein Ersatzruhetag zu gewähren ist.
Aufzeichnungspflicht (§ 16 Abs. 2 ArbZG) und die BAG-Entscheidung
Nach § 16 Abs. 2 ArbZG muss der Arbeitgeber die über die werktägliche Arbeitszeit des § 3 Satz 1 hinausgehende Arbeitszeit aufzeichnen und die Nachweise mindestens zwei Jahre aufbewahren.
Das Bundesarbeitsgericht ist darüber am 13. September 2022 hinausgegangen: In einem Grundsatzbeschluss (1 ABR 22/21) entschied es, dass Arbeitgeber bereits nach § 3 Abs. 2 Nr. 1 ArbSchG verpflichtet sind, ein System einzuführen, mit dem Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit erfasst werden, nicht erst die Überstunden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat 2026 einen Referentenentwurf zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes vorgelegt; er ist zum Stand dieser Seite noch nicht Gesetz, sodass die hier beschriebenen Grenzen unverändert gelten.
Typische Fehler im Dienstplan
Zwei Muster tauchen in der Praxis immer wieder auf: der direkte Wechsel von einer Spätschicht in eine frühe Frühschicht, der die elf Stunden Ruhezeit unbemerkt unterschreitet, und die kurzfristige Doppelschicht bei einem Ausfall, die entweder die tägliche Höchstarbeitszeit oder die anschließende Ruhezeit reißt.
Beide Fehler entstehen selten aus Absicht, sondern weil zum Zeitpunkt der Zuweisung niemand die vorherige Schicht im Kopf hat. Die Dienstplanung von WachFlow prüft deshalb bei jeder Zuweisung automatisch Ruhezeit und 48-Stunden-Woche und zeigt einen Verstoß als Warnung, blockiert die Zuweisung aber nicht, damit eine Notbesetzung bei einem Nachtausfall möglich bleibt. Wer eine Warnung bewusst übersteuert, hinterlässt dafür einen Grund.
Wie man es praktisch prüft
Ohne Software bleibt nur der Blick in die letzten elf Stunden vor jeder neuen Zuweisung und in den Durchschnitt der letzten sechs Kalendermonate, für jeden Mitarbeiter einzeln. Das ist bei wenigen Objekten machbar, wird aber schnell fehleranfällig, sobald mehrere Disponenten gleichzeitig planen.
Zusammen mit der Zeiterfassung lässt sich außerdem prüfen, ob die tatsächlich gearbeitete Zeit von der geplanten abweicht, was für die Aufzeichnungspflicht nach § 16 Abs. 2 ArbZG und für die Einhaltung der Ruhezeit gleichermaßen zählt.
Häufige Fragen
- Wie viele Stunden am Stück darf ich im Sicherheitsdienst arbeiten?
- Grundsätzlich acht Stunden werktäglich, ausnahmsweise bis zu zehn Stunden mit Ausgleich innerhalb von sechs Monaten (§ 3 ArbZG).
- Sind 12-Stunden-Schichten im Sicherheitsdienst erlaubt?
- Nur über einen Tarifvertrag oder eine tarifvertraglich zugelassene Betriebsvereinbarung, wenn regelmäßig Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst anfällt (§ 7 ArbZG). Ohne eine solche Regelung gilt die Zehn-Stunden-Grenze.
- Wie lang muss die Ruhezeit zwischen zwei Diensten sein?
- Mindestens elf Stunden ununterbrochen nach Ende der täglichen Arbeitszeit (§ 5 Abs. 1 ArbZG). Das Bewachungsgewerbe gehört nicht zu den Branchen, in denen diese Zeit gesetzlich verkürzt werden darf.
- Darf ich im Sicherheitsdienst sonntags arbeiten?
- Ja, § 10 Abs. 1 Nr. 13 ArbZG nimmt das Bewachungsgewerbe ausdrücklich von der Sonn- und Feiertagsruhe aus. Für Sonntagsarbeit ist ein Ersatzruhetag innerhalb von zwei Wochen zu gewähren, für Arbeit an einem Feiertag auf einem Werktag innerhalb von acht Wochen (§ 11 Abs. 3 ArbZG), soweit ein Tarifvertrag nichts anderes regelt.
- Muss die Arbeitszeit im Sicherheitsdienst aufgezeichnet werden?
- Ja. § 16 Abs. 2 ArbZG verlangt die Aufzeichnung der über acht Stunden hinausgehenden Arbeitszeit, und nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom 13.09.2022 müssen Arbeitgeber ohnehin Beginn und Ende jeder täglichen Arbeitszeit erfassen.
- Was passiert bei einem Verstoß gegen die Ruhezeit?
- WachFlow zeigt einen solchen Konflikt bei der Zuweisung als Warnung an, blockiert sie aber nicht, damit eine Notbesetzung möglich bleibt. Die rechtliche Verantwortung für einen tatsächlichen Verstoß bleibt beim Arbeitgeber.
- Ist es zulässig, 14 Stunden am Stück im Sicherheitsdienst zu arbeiten?
- Nein, jedenfalls nicht als Regelfall. Ohne tarifliche Öffnung endet die Höchstarbeitszeit nach § 3 ArbZG bei zehn Stunden, und selbst der Manteltarifvertrag für Sicherheitsdienstleistungen erlaubt eine 24-Stunden-Schicht nur im Werkfeuerwehrdienst und beim Objektschutz militärischer Anlagen. Eine Ausnahme über § 14 ArbZG gilt nur für vorübergehende, echte Notfälle.
- Darf ich 6 bis 8 Tage hintereinander je 12 Stunden arbeiten?
- Nicht ohne Weiteres. Nach jedem 12-Stunden-Dienst sind elf Stunden Ruhezeit zwingend (§ 5 ArbZG), und im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten dürfen 48 Stunden pro Woche nicht überschritten werden (§ 7 Absatz 8 ArbZG). Sechs bis acht Dienste in Folge sind damit nur denkbar, wenn andere Wochen des Ausgleichszeitraums entsprechend weniger Arbeitszeit enthalten.
Über WachFlow
Dieser Ratgeber stammt von WachFlow, der Software für Sicherheitsdienste: Dienstplan, Wachbuch, § 34a-Nachweise und Abrechnung in einem System.
Quellen
- § 3 ArbZG – Arbeitszeit der Arbeitnehmer
- § 4 ArbZG – Ruhepausen
- § 5 ArbZG – Ruhezeit
- § 6 ArbZG – Nacht- und Schichtarbeit
- § 7 ArbZG – Abweichende Regelungen
- § 9 ArbZG – Sonn- und Feiertagsruhe
- § 10 ArbZG – Sonn- und Feiertagsbeschäftigung
- § 11 ArbZG – Ausgleich für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung
- § 14 ArbZG – Außergewöhnliche Fälle
- § 16 ArbZG – Aushang, Aufzeichnungspflichten
- Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 13.09.2022, 1 ABR 22/21
- Mantelrahmentarifvertrag für Sicherheitsdienstleistungen (BDSW), Fassung vom 23.08.2018
- EuGH, Urteil vom 03.10.2000, C-303/98 (Simap) – Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit
- EuGH, Urteil vom 21.02.2018, C-518/15 (Matzak) – Rufbereitschaft als Arbeitszeit
Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung.
Stand: 17. September 2026